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Cheat Sheet

Coding Agents kontrollieren — Cheat Sheet

Stand: · MCP & Agentic Software Engineering

Agentic Software EngineeringCoding AgentsQuality GatesPrompt Injection

Der Spickzettel zum Seminar MCP & Agentic Software Engineering, zweiter Teil: was man festlegt, bevor ein Agent arbeitet, und woran man prüft, was er abgeliefert hat. Protokoll, Server und Autorisierung stehen auf dem ersten Blatt, MCP-Server und Protokoll. Das Blatt hält Entscheidungsraster fest — die Methode bringt es nicht bei.

Wer entscheidet, wer führt aus

AusprägungMensch tutWerkzeug tut
Chat-Assistentfragt, überträgt selbstantwortet
Inline-Vorschlagnimmt an oder verwirftschlägt vor
IDE-Agentbestätigt je Schrittliest, schreibt, testet
Asynchroner Agentbeauftragt, prüft am Endearbeitet den Auftrag ab

Von oben nach unten wächst der Nutzen und im gleichen Maß der Prüfaufwand. Die Ausprägung wird nach der nötigen Kontrolle gewählt, nicht nach dem Produktnamen.

Modul: Vom Coding-Assistenten zum handelnden Entwicklungsagenten

Eignet sich der Auftrag zur Delegation

AuftragEignungAusschlag
Validierungsregel ergänzenhochTests vorhanden, umkehrbar
Fachlichen Schnitt neu ziehengeringkein Testorakel
Abhängigkeiten aktualisierenmittelprüfbar, aber breite Wirkung

Drei Fragen entscheiden: Prüfbarkeit (gibt es ein Testorakel?), Umkehrbarkeit (lässt sich der Schritt zurücknehmen?), Wirkungsbreite. Wer bei „wie prüfe ich das?” ins Stocken gerät, hat die Antwort schon gefunden. Generierter Code ist schnell erzeugt und langsam verantwortet — ohne Test bleibt nur das Lesen des Diffs, und das skaliert nicht.

Modul: Vom Coding-Assistenten zum handelnden Entwicklungsagenten

Projektanweisungen: was hineingehört

Gehört hineinGehört woanders hin
Wie ein Modul aufgebaut wirdWarum diese Architektur gewählt wurde
Welche Tests Pflicht sindDie Testfälle selbst
Wie Fehler behandelt werdenDie Fehlerklassen im Code
Was ausdrücklich verboten istDie Historie des Verbots

Begründungen gehören in Architekturentscheidungen; die Anweisung verlinkt sie nur. Widersprüche kosten mehr als Lücken: Eine veraltete Regel wird so ernst genommen wie eine gültige, und der Agent meldet den Widerspruch nicht — er wählt einfach. Regeln ohne Prüfung in der Pipeline verfallen unbemerkt.

Modul: Kontext und Arbeitsregeln für Coding Agents

Startklar und fertig

Startklar, wennFertig, wenn
Ziel und zwei Nicht-Ziele stehenAkzeptanzkriterien durch Tests belegt
Akzeptanzkriterien prüfbar sindDiff gelesen und gegengezeichnet
Der Werkzeugsatz benannt istStatische Analyse ohne neue Funde
Die Freigabestelle benannt istÄnderungsprotokoll vollständig

Beide Listen gelten unabhängig davon, ob ein Mensch oder ein Agent die Änderung geschrieben hat. Die Freigabe bindet sich an die konkrete Aktion — mit Akteur, Werkzeug, Ziel, Parametern und Gültigkeitsdauer; eine pauschale Zustimmung erfüllt das nicht.

Modul: Kontext und Arbeitsregeln für Coding Agents

Vom Ticket zur Spezifikation

Im Ticket stehtIn der Spezifikation steht
Kostenstelle soll Pflicht werdenAnfragen ohne Kostenstelle werden abgelehnt
Bitte im Formular prüfenPrüfung serverseitig, Formular zeigt sie an
Nicht-Ziel: Altbestand bleibt unberührt
Nicht-Ziel: keine Änderung am Nachbarsystem

Die beiden unteren Zeilen verhindern mehr Arbeit als die beiden oberen erzeugen: Ein Agent erweitert den Auftrag, wenn die Grenze fehlt, und ohne Grenze ist auch nicht entscheidbar, wann etwas fertig ist.

Akzeptanzkriterien beschreiben beobachtbares Verhalten, nicht Formularfelder — und die Ablehnungsfälle gehören dazu:

FallErwartetes Verhalten
Gültige KostenstelleAnfrage wird angenommen
Fehlende KostenstelleAblehnung mit Feldhinweis
Unbekannte KostenstelleAblehnung, Zielsystem hat nicht bestätigt
Bestandsanfrage ohnebleibt unverändert bestehen
Zielsystem nicht erreichbarAblehnung, keine stille Annahme

Die letzten beiden Zeilen stehen im Ticket nie und fallen im Betrieb immer auf. Die Spezifikation liegt im Repository, nicht im Ticketsystem — sonst ist sie für den Agenten unerreichbar.

Modul: Vom Ticket zur ausführbaren Spezifikation

Plan, Impact-Analyse und Abbruch

FrageQuelle
Wo wird heute validiert?Suchwerkzeug, Code
Wer ruft das auf?Werkzeug zur Komponentenermittlung
Welche Tests decken das ab?Testverzeichnis, Konventionen
Was hat der Fachbereich entschieden?Architekturhandbuch als Resource

Alle vier Antworten gehören in den Plan, nicht erst in den Pull Request. Bestandstests zuerst sichten: Sie zeigen, welches Verhalten als zugesichert gilt; bei Bestandscode ohne Tests helfen Characterization Tests.

SignalKonsequenz
Dritte Korrekturschleife am selben TestAbbruch, Neuplanung
Fachliche Frage ohne Antwort im KontextEskalation an den Fachbereich
Sicherheitsrelevante Stelle berührtEskalation, unabhängiges Review

Wiederholtes Nachbessern am selben Punkt ist fast immer ein Planungsfehler, kein Codefehler. Jede weitere Runde vergrößert den Diff, nicht den Erkenntnisgewinn; ein Abbruch mit klarem Befund ist ein brauchbares Ergebnis.

Modul: Planen, schneiden und kontrolliert implementieren

Was welcher Test belegt

TestartBelegtBlinder Fleck
UnitRegel greift bei fehlendem FeldAufruf im echten Ablauf
IntegrationFormular und Server passen zusammenVerhalten des Fremdsystems
ContractZusage an das Fremdsystem giltFachliche Richtigkeit
RegressionAltbestand bleibt unberührtNeue Fälle

Der Erfolgsfall gelingt fast immer, auch mit falscher Logik — erst der Negativtest trennt Können von Glück. Die Regressionszeile deckt genau das Nicht-Ziel aus der Spezifikation ab.

Modul: Qualität nicht an den Agenten delegieren

Diff-Review: vier Stellen zuerst

StelleFrage
Bestehende TestsWurde eine Erwartung abgeschwächt?
KonfigurationWurde eine Schranke stillschweigend gesetzt?
FehlerbehandlungWird ein Fehler jetzt verschluckt?
Nicht-ZieleWurde etwas berührt, was unberührt bleiben sollte?

Alle vier sind im Diff sichtbar und in der Zusammenfassung des Agenten üblicherweise nicht. Gelesen wird gegen vier Maßstäbe: die Spezifikation (ist jedes Kriterium abgedeckt), den Plan (wurde abgewichen, und warum), die Nicht-Ziele und den umgebenden Bestand.

Modul: Qualität nicht an den Agenten delegieren

Reproduzierbarkeit und Kennzahlen

AngabeWofür sie gebraucht wird
Auftrag und SpezifikationsstandVergleichbarkeit zweier Läufe
Werkzeugsatz und VersionErklärung unterschiedlicher Wege
Folge der Aufrufe mit ErgebnisFehlersuche und Review
Modell und KonfigurationEinordnung von Streuung

Ohne die zweite Zeile ist jeder Vergleich wertlos — ein Werkzeug mehr ändert alles. Reproduzierbarkeit ist dabei nicht Determinismus.

KennzahlWas ein schlechter Wert bedeutet
Erfolgsquote je AuftragsartDiese Art eignet sich nicht zur Delegation
Korrekturschleifen bis AbnahmeSpezifikation oder Kontext sind unscharf
Kosten je abgeschlossenem AuftragDer Zuschnitt ist zu groß
Laufzeit bis zur AbnahmeDer Prüfengpass liegt beim Menschen

Je Auftragsart auswerten — der Durchschnitt verdeckt genau das Interessante. Zeilen, Token und Testabdeckung sagen wenig: Sie messen Aufwand statt Nutzen und lassen sich vom Agenten leicht optimieren.

Modul: Quality Gates, Reproduzierbarkeit und Kennzahlen

Bedrohungsmodell

StationAngriffspunktFolge
HostZustimmung im StapelWirkung ohne Prüfung
Clientfehlende IsolationServer sieht fremden Kontext
Serverungeprüfte EingabeInjektion ins Zielsystem
Zielsystemzu weite RechteZugriff über den Auftrag hinaus

Dieselben Verantwortungsgrenzen wie im Architekturbild, nur von der anderen Seite gelesen. Lokale Server sind das unterschätzte Risiko: Sie laufen mit den Rechten des Clients, ein Startbefehl in einer Konfiguration führt beliebigen Code aus, und über DNS-Rebinding erreicht sie im schlechten Fall eine Webseite.

KennungRisiko (OWASP, agentische Anwendungen)
ASI01Agent Goal Hijack
ASI02Tool Misuse und Exploitation
ASI03Agent Identity und Privilege Abuse
ASI06Memory und Context Poisoning
ASI08Cascading Agent Failures

Die Liste hat zehn Einträge; diese fünf treffen einen Entwicklungsworkflow am unmittelbarsten. Ketten sind gefährlicher als Einzelaufrufe: Jedes Werkzeug für sich ist geprüft, die Verkettung erzeugt eine Wirkung, die keines allein hat.

Modul: Bedrohungsmodell für MCP und Agenten

Freigaben, die etwas wert sind

Eine Bestätigung zeigt Werkzeug und Argumente, gilt für eine Aktion und wird im Server erzwungen, nicht im Prompt erbeten. Der Eskalationsweg steht vorher fest: Im Vorfall zählt, wer abschalten darf, nicht wer zuständig wäre — ein Kill Switch ohne benannte Person ist ein Knopf ohne Hand. Zur selben Festlegung gehören die Wiederanlaufbedingungen.

Freigabepflichtig bleiben in jedem Fall: Merge, Deployment, Datenlöschung und externe Kommunikation. KI-Ausgaben gelten zunächst als Vorschlag, nicht als Ergebnis; Anforderungen und Testorakel verantworten Menschen.

Module: Least Privilege, Isolation und Freigaben · Capstone: Ein kontrollierter agentischer Entwicklungsworkflow

Nachweise am Ende eines Laufs

KriteriumNachweis im Paket
ProblemverständnisZiele, Nicht-Ziele, offene Fragen
SchnittstellendesignTool-Katalog mit Schemas
KontrollierbarkeitPlan, Schritte, Freigaben
SicherheitThreat Model, Berechtigungen
QualitätTests und Gate-Ergebnisse
NachvollziehbarkeitAufruffolge, Diff, Review
TransferTeam-Policy

Bewertet wird nicht Menge oder Geschwindigkeit des generierten Codes, sondern diese sieben Punkte. Die Freigabe mit Zeitpunkt und Person ist das, was im Zweifel nachweist, dass jemand entschieden hat.

Modul: Capstone: Ein kontrollierter agentischer Entwicklungsworkflow

Typische Fallen

  • Grüne Pipeline gilt als Nachweis fachlicher Richtigkeit. Sie belegt, dass nichts Bekanntes brach — nicht, dass das Neue stimmt.
  • Der Agent schreibt Implementierung und Test in einem Zug. Dann prüft der Test, was der Code tut, statt was er tun soll.
  • Der Reviewer ist derselbe, der den Auftrag formuliert hat — und das Review hinterlässt keine Spur.
  • Der Agent darf die Pipelinekonfiguration ändern oder Regeln unterdrücken, um grün zu werden. Schranken laufen vor dem Merge, nicht danach.
  • Bestätigungen häufen sich, bis sie reflexhaft weggeklickt werden. Eine Zustimmung im Stapel ist keine Prüfung.
  • Der Freitext einer Anfrage gilt als vertrauenswürdiger Kontext. Anweisungen und Daten gehören im Prompt getrennt.
  • Die Gegenmaßnahme ist eine Anweisung im Prompt statt einer Prüfung im Server — Berechtigungen lassen sich nicht formulieren, nur erzwingen.
  • Alle Werkzeuge nutzen denselben Generalschlüssel, und das Zielsystem sieht nur eine Dienstidentität.
  • Der Lauf hat kein Abbruchkriterium und endet erst am Budget.
  • Die Team-Policy formuliert Absichten statt überprüfbarer Regeln — und wird im Team nie verabschiedet.

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