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Modul

Arbeiten mit Kontext

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Transkript

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Arbeiten mit Kontext

0:00 Im letzten Modul ging es darum, wie viel das Werkzeug darf. Jetzt geht es um die andere Hälfte guter Antworten: was es überhaupt sieht. Der Begriff dafür lautet Kontext, und er ist der wohl unterschätzteste Hebel im Umgang mit KI. Denn das Muster ist immer dasselbe — wer zu wenig mitgibt, bekommt allgemeine Auskünfte statt Antworten zum eigenen Projekt.

0:21 Wer zu viel mitgibt, bezahlt für Ballast und bekommt unschärfere Ergebnisse. In diesem Modul lernen Sie, den Kontext bewusst zu füllen, seine Auslastung zu lesen und eine Sitzung über Tage hinweg zu führen.

Kontext ist die halbe Antwort

0:34 Acht Punkte, die sich in zwei Hälften teilen. In der ersten geht es ums Hereinholen: Wie bringen Sie gezielt Dateien, Ordner oder ein Issue in die Unterhaltung? In der zweiten Hälfte geht es ums Haushalten — wie voll ist das Fenster, wann verdichten Sie, wann fangen Sie besser neu an? Beides gehört zusammen. Das eine bestimmt die Qualität der Antwort, das andere ihre Kosten. Und beides lässt sich mit wenigen Handgriffen steuern.

1:00 Der erste Punkt enthält die eigentliche Botschaft: bewusst füllen statt alles hochschicken. Die Versuchung ist nämlich groß, dem Werkzeug einfach das ganze Projekt hinzuwerfen und es machen zu lassen. Das funktioniert erstaunlich lange und wird dann erstaunlich schnell teuer und ungenau. Die beiden Werkzeuge dafür sind schnell gelernt — ein Zeichen für Dateien, ein anderes für Vorgänge auf GitHub.

1:23 Der Rest ist Haushalten: nachsehen, verdichten, fortsetzen oder bewusst frisch beginnen.

Dateien und Ordner mit @ referenzieren

1:29 Beginnen wir beim Hereinholen. Das Zeichen dafür kennen Sie aus sozialen Netzwerken, und die Bedeutung ist verwandt: Sie zeigen auf etwas Bestimmtes, statt in den Raum zu sprechen. Genau darum geht es hier. Und es ist der Handgriff, den Sie von allen aus diesem Modul am häufigsten brauchen werden — meist mehrmals pro Prompt.

1:48 Stellen Sie sich vor, Sie fragen einen Kollegen nach seiner Meinung. Sie können sagen „schau dir mal unser Projekt an" — dann ist er eine Weile beschäftigt. Oder Sie legen ihm zwei konkrete Dateien hin. Das Zeichen im Prompt macht genau das: Es legt etwas auf den Tisch. Beim Tippen erscheint eine Auswahlliste, die Tabulatortaste übernimmt den Treffer, Pfade müssen Sie nicht auswendig kennen.

2:10 Und es geht nicht nur um Dateien: Mit einem anderen Zeichen und einer Nummer holen Sie ein Issue oder einen Pull Request aus GitHub in die Unterhaltung. Der Nutzen ist doppelt, und beide Seiten zählen. Die eine ist die Qualität: Eine Antwort über zwei benannte Dateien bleibt beim Thema, während eine Antwort über „das Projekt" schnell ins Allgemeine abgleitet.

2:32 Die andere Seite sind die Kosten. Alles, was Sie hereinholen, wird bei jeder weiteren Anfrage mitgeschickt und bezahlt. Wer gezielt zeigt, spart also doppelt. Ein Ordner als Referenz ist dabei der Mittelweg — gut geeignet, um Fragen über eine ganze Schicht zu stellen, etwa über alle Tests. Achten Sie bei diesen drei Beispielen weniger auf das Zeichen als auf die Frage dahinter.

2:55 Jede nennt ein Kriterium: Robustheit gegen Zeitüberschreitungen, Lücken in der Testabdeckung, Treue zu einem bestehenden Diff. Das ist der eigentliche Trick. Die Referenz sagt, worüber geredet wird, die Frage sagt, woraufhin. Fehlt das Zweite, bekommen Sie eine höfliche Zusammenfassung dessen, was ohnehin im Code steht.

3:14 Das dritte Beispiel zeigt außerdem, dass sich auch Vorgänge aus GitHub hereinholen lassen — ein Issue wird so zur Arbeitsgrundlage, ohne dass Sie es abtippen. Die ersten beiden Punkte sind die zwei Enden derselben Skala. Ohne Referenz sucht das Werkzeug selbst, was Zeit und Werkzeugaufrufe kostet. Mit einem zu großen Ordner schicken Sie mehr los, als Sie ahnen — ein Blick hinein lohnt sich.

3:37 Der dritte Punkt ist eine praktische Beruhigung: Sehr große Ausgaben landen nicht komplett im Fenster, sondern in temporären Dateien, von denen das Modell nur den Pfad und eine Vorschau sieht. Und viertens, die häufigste Selbsttäuschung: Eine Referenz ist keine Frage. Beides gehört zusammen.

Fragen über mehrere Dateien stellen

3:55 Damit sind wir beim eigentlichen Hebel. Nicht die Zahl der Dateien entscheidet über die Qualität der Antwort, sondern die Frage, die Sie dazu stellen. Schauen wir uns an, was eine belastbare Frage ausmacht. Denn eine schlecht gestellte Frage wird auch mit zehn referenzierten Dateien nicht besser. Sie wird nur teurer. Wer schon einmal ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, kennt den Unterschied. „Sagen Sie mir, ob das Haus in Ordnung ist" führt zu einem freundlichen Rundgang.

4:24 „Prüfen Sie Dach, Leitungen und Feuchtigkeit" führt zu einem Bericht, mit dem man arbeiten kann. Bei der CLI ist es identisch. Nennen Sie das Kriterium — Wartbarkeit, Fehlerbehandlung, Testabdeckung —, und die Antwort ordnet sich danach. Ein angenehmer Nebeneffekt: Die Begriffe, die Sie in der Frage verwenden, tauchen in der Antwort als Struktur wieder auf.

4:46 Sie bekommen also nicht nur bessere Inhalte, sondern auch eine bessere Form. Diese fünf Schritte bauen aufeinander auf und enden bewusst nicht bei der Antwort. Sie zeigen die Dateien, nennen das Kriterium und geben die Form vor — eine Tabelle etwa spart Ihnen hinterher das Sortieren. Der vierte Schritt ist der, an dem sich Routine von Blindflug trennt: Die Antwort gegen den Code prüfen, nicht gegen das eigene Bauchgefühl.

5:11 Und der fünfte macht aus einer Erkenntnis eine Veränderung. Ein Befund, aus dem kein Auftrag folgt, ist nur eine interessante Beobachtung. Für wiederkehrende Vorgaben gibt es übrigens Instructions-Dateien, die dauerhaft mitlaufen. Hier steckt eine Einsicht, die über dieses Werkzeug hinausreicht: Konkrete Kriterien machen aus einer Meinung eine überprüfbare Aussage.

5:33 Solange die Antwort lautet „der Code ist ordentlich strukturiert", können Sie nichts damit anfangen. Sobald sie lautet „diese Datei vermischt drei Zuständigkeiten, Fundstellen hier und hier", können Sie widersprechen oder handeln. Und der letzte Punkt ist eine gesunde Portion Skepsis: Generierter Code ist nicht automatisch guter Code. Nachfragen ist keine Misstrauensbekundung, sondern Teil der Arbeit.

5:57 Diese Übung hat einen eingebauten Aha-Moment, und der steckt im Zusatz: Stellen Sie dieselbe Frage einmal mit Referenzen und einmal ohne. Der Unterschied ist meist deutlicher, als man erwartet — nicht nur im Inhalt, sondern auch in der Zeit und im Verbrauch. Das Erfolgskriterium ist bewusst hart formuliert: Die Antwort muss Fundstellen nennen, die Sie im Code wiederfinden.

6:18 Alles andere ist eine gut klingende Meinung, und davon bekommen Sie von jedem Sprachmodell beliebig viele.

Kontextfenster und Sessions verstehen

6:25 Wechseln wir die Perspektive. Bisher ging es darum, was Sie hineingeben. Jetzt schauen wir uns an, was sich dort sammelt — und was davon bleibt, wenn Sie das Terminal schließen. Das ist der Unterschied zwischen einem Fenster, das bei jeder Anfrage neu gefüllt wird, und einem Faden, der über Tage trägt. Beide Begriffe werden oft in einen Topf geworfen.

6:46 Zwei Begriffe, die gern verwechselt werden. Das Kontextfenster ist alles, was bei einer Anfrage mitgeschickt wird — ein Fenster von begrenzter Größe, durch das nur eine bestimmte Menge passt. Die Session dagegen ist der Gesprächsfaden. Sie überlebt das Schließen des Terminals. Wenn Sie am Montag arbeiten, dienstags in Besprechungen sitzen und mittwochs zurückkommen, können Sie dort weitermachen, wo Sie aufgehört haben.

7:11 Das ist mehr als Komfort: Es bedeutet, dass eine angefangene Aufgabe nicht am Feierabend zerfällt. Die Botschaft dieser Tabelle ist eine unangenehme: Das Fenster ist schon belegt, bevor Sie das erste Wort tippen. Systemanweisungen, Ihre eigenen Projektvorgaben und vor allem die Werkzeugdefinitionen brauchen Platz — und je mehr externe Server Sie später anbinden, desto mehr wird es.

7:34 Nur zwei Zeilen in dieser Aufstellung wachsen durch Ihr Zutun: der Verlauf und die Referenzen. Und genau an diesen beiden können Sie ansetzen. Die Reserve am Ende ist übrigens kein Verschnitt, sondern Absicht — sie verhindert, dass Ihnen mitten in einer Antwort der Platz ausgeht. Warum sollten Sie sich damit überhaupt beschäftigen? Weil ein volles Fenster nicht mit einer Fehlermeldung endet, sondern mit einer Verdichtung.

7:59 Das Werkzeug fasst dann zusammen, und dabei gehen Details verloren — leise, ohne Hinweis. Wenn ein Agent plötzlich vergisst, was Sie vor zwanzig Minuten vereinbart haben, ist das meist der Grund. Dazu kommt der Kostenaspekt: Ballast aus einer längst erledigten Aufgabe wird bei jeder weiteren Anfrage mitgeschickt und mitbezahlt.

8:18 Wer die Aufteilung kennt, weiß, an welcher Stelle sich Aufräumen lohnt. Der erste Punkt beschreibt die häufigste Gewohnheit überhaupt: alles in einer einzigen, endlosen Sitzung erledigen. Das fühlt sich effizient an und trübt die Antworten. Der zweite ist die Folge davon — nach mehreren Verdichtungen ist von den ursprünglichen Details wenig übrig, dann hilft nur ein frischer Start.

8:41 Der dritte Punkt bremst den Übereifer: Ein leeres Fenster ist kein Ziel an sich. Wer zu wenig mitgibt, erzeugt Rückfragen und verliert Zeit. Und der vierte erinnert daran, dass sich Verbrauchsgrenzen setzen lassen, bevor ein langer Lauf sie findet.

Kontext und Sessions in der Praxis

8:56 Genug Theorie — schauen wir uns an, wie das im Arbeitsalltag aussieht. Es sind am Ende vier Handgriffe, und die meisten davon machen Sie nach kurzer Zeit nebenbei. Wichtiger als die Befehle selbst ist dabei die Frage, woran Sie erkennen, welcher gerade dran ist. Genau darum geht es in diesem letzten Kapitel. Eine beruhigende Nachricht vorweg: Das Werkzeug verdichtet lange Verläufe von selbst. Sie müssen also nicht ständig aufräumen, damit etwas funktioniert.

9:24 Der Handbetrieb ist trotzdem nützlich, weil Sie besser wissen als jeder Automatismus, wann ein Thema abgeschlossen ist. Vier Handgriffe genügen: nachsehen, wie voll es ist. Verdichten, wenn viel Erledigtes mitläuft. Neu beginnen, wenn Sie das Thema wechseln. Und fortsetzen, wenn Sie am nächsten Morgen dort weitermachen wollen, wo Sie aufgehört haben.

9:47 Diese Tabelle sortiert sich nach einer einfachen Frage: Wollen Sie etwas ansehen, verkleinern oder wiederfinden? Die ersten beiden Zeilen sind das Ansehen und das Verkleinern. In der Mitte steht ein Befehl, der wenig bekannt ist und viel wert sein kann — er holt frühere Verdichtungen zurück, wenn Sie den Eindruck haben, dass etwas Wichtiges verloren ging.

10:07 Die unteren Zeilen drehen sich ums Wiederfinden. Und beachten Sie die letzte: Der Aufruf, der die zuletzt geschlossene Sitzung fortsetzt, ist der einzige, den Sie schon vor dem Start eingeben — er ist für viele der erste Befehl des Arbeitstages. Was hier als Ablauf steht, ist in Wahrheit eine Gewohnheit. Morgens fortsetzen — das erspart Ihnen, sich zu erinnern, wie die gestrige Sitzung hieß.

10:30 Vor größeren Aufträgen kurz nachsehen, wie voll das Fenster ist. Zwischendurch verdichten, beim Themenwechsel neu beginnen. Der Kern ist die Unterscheidung im dritten und vierten Schritt: Verdichten bewahrt den roten Faden und macht Platz, Neu-Beginnen wirft ihn bewusst weg. Beides ist richtig, nur eben zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Und ein Ausgabenlimit je Antwort schadet nie.

10:53 Diese Aufgabe hat einen didaktischen Kniff, der sich lohnt: Schätzen Sie zuerst, wie voll Ihr Fenster ist, und sehen Sie erst dann nach. Die Abweichung ist bei den meisten überraschend groß — in beide Richtungen. Danach entscheiden Sie bewusst zwischen Verdichten und Neu-Beginnen und begründen die Wahl. Genau diese Begründung ist das Lernziel. Es geht nicht darum, einen Befehl zu kennen, sondern darum, den Zustand einer Sitzung einschätzen zu können.

11:19 Das ist eine Fähigkeit, die Sie auf jedes andere Agentenwerkzeug übertragen können.

Kontext ist eine Entscheidung

11:25 Halten wir fest: Kontext entsteht nicht von selbst, er ist das Ergebnis Ihrer Entscheidungen. Die beiden Referenzzeichen holen gezielt herein, was zur Frage gehört. Das Kriterium in der Frage bestimmt, wie brauchbar die Antwort wird. Und der Blick auf die Auslastung macht sichtbar, was sonst still mitfährt und mitbezahlt wird.

11:43 Im nächsten Modul geht es um die Frage, was passiert, wenn Sie dasselbe nicht nur einmal, sondern immer wieder brauchen — wenn aus einem guten Prompt ein Spezialist wird, den das ganze Team nutzt.

Lieber mit Trainer? Dieses Modul ist Teil unserer Team-Schulungen — mit Übungen, Ihrem eigenen Code und Fragen, die ein Video nicht beantwortet. Mehr erfahren →