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Modul
Prompting-Playbook
8 Kapitel in diesem Modul-Video · Laufzeit
Transkript
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Prompt Engineering mit ChatGPT – Prompting-Playbook
0:00 Fast jeder hat inzwischen mit ChatGPT gearbeitet. Und fast jeder kennt auch das Gefühl, dass die Antwort zwar flüssig klingt, aber nicht wirklich brauchbar ist. Genau da setzt dieses Seminar an. Es geht nicht darum, dem Modell ein Zauberwort zu entlocken, sondern darum, verlässlich und wiederholbar zu arbeiten — heute, morgen und beim nächsten Kollegen genauso.
0:20 In diesem ersten Modul sammeln wir das Handwerkszeug: sieben Techniken, die den Unterschied zwischen einer beliebigen und einer verwendbaren Antwort ausmachen. Fangen wir mit dem an, was am meisten bringt und am wenigsten kostet.
Das Prompting-Playbook
0:34 Ein Playbook ist im Sport die Sammlung einstudierter Spielzüge. Genau so ist dieses Modul gemeint: acht Bausteine, die Sie ab morgen bewusst einsetzen können. Wir beginnen beim Kontext und bei der Frage, wie konkret eine Anweisung sein muss. Dann kommen Personas, das Aufteilen großer Aufgaben und Custom Instructions — also alles, was Wiederholung erspart.
0:54 Zum Schluss Bilder als Eingabe und die vielleicht überraschendste Technik: den Assistenten Fragen stellen zu lassen. Am Ende steht eine Challenge, in der Sie mehrere dieser Techniken zusammen anwenden.
Kontext geben
1:07 Wenn Sie aus diesem Modul nur eine einzige Sache mitnehmen, dann diese. Kontext ist die wirksamste Stellschraube überhaupt — wirksamer als jede fortgeschrittene Funktion, über die wir später sprechen. Und das Beste daran: Sie brauchen dafür kein besonderes Abo und keine Einstellung, sondern nur ein paar Sätze mehr im richtigen Moment.
1:26 Stellen Sie sich vor, Sie bitten einen neuen Kollegen am ersten Arbeitstag, „mal eben eine Entschuldigung zu schreiben". Er wird zurückfragen — oder etwas Allgemeines liefern, das niemandem hilft. Ein Sprachmodell fragt oft nicht zurück. Es füllt die Lücken selbst, und zwar mit dem, was statistisch plausibel ist. Kontext ist deshalb schlicht das, was dieser Kollege wissen müsste: Wer schreibt, an wen, in welcher Lage, mit welchem Ziel.
1:52 Vier Angaben, die kaum Zeit kosten und darüber entscheiden, ob Sie ein Ergebnis bekommen oder eine Vorlage. Der Gewinn zeigt sich an vier Stellen, und alle vier zahlen auf dasselbe ein: weniger Arbeit hinterher. Die Antwort wird genauer, weil das Modell nichts erfinden muss. Das Hin und Her verkürzt sich, weil die naheliegenden Rückfragen bereits beantwortet sind.
2:14 Der Text klingt weniger nach Schablone, weil er auf einen konkreten Fall zugeschnitten ist. Und die Nachbearbeitung schrumpft. Rechnen Sie das einmal auf einen Arbeitstag hoch: Wenn Sie zehn solcher Texte brauchen, ist der Unterschied nicht Komfort, sondern eine gute halbe Stunde. Interessant ist an dieser Gegenüberstellung weniger die einzelne Zeile als das Muster dahinter.
2:36 Links entsteht ein Vakuum, und das Modell füllt es — mit Details, die niemand geprüft hat, oder mit einer Vorlage, in der Sie selbst die Lücken schließen. Rechts ist dasselbe Vakuum von vornherein gefüllt: Firma, Vorfall, Adressat, gewünschte Konsequenz. Die Aufgabe ist in beiden Fällen exakt dieselbe. Was sich ändert, ist allein die Ausgangslage. Deshalb ist Kontext auch keine Frage von Fleiß, sondern von Reihenfolge — er gehört an den Anfang, nicht in die Korrekturschleife.
3:06 Sehen Sie sich diesen Prompt nicht als Text an, sondern als Bauplan. Er beantwortet der Reihe nach vier Fragen: Wer sind wir, was ist passiert, an wen geht das, und was soll dabei herauskommen. Mehr steckt nicht dahinter. Genau dieses Vierergerüst können Sie auf Ihre eigenen Fälle übertragen — auf ein Angebot, eine Absage, eine Statusmeldung.
3:25 Und beachten Sie, was hier nicht steht: keine Stilanweisung im Sinne von „schreib es gut", sondern eine überprüfbare Vorgabe, nämlich Verantwortung übernehmen und zehn Prozent Rabatt anbieten. Jetzt sind Sie dran, und zwar bewusst an einem echten Fall. Nehmen Sie einen Prompt, den Sie in den letzten Tagen tatsächlich getippt haben — nicht ein konstruiertes Beispiel.
3:47 Schicken Sie ihn unverändert ab, und schreiben Sie ihn dann mit dem Vierergerüst neu. Die geübte Fähigkeit ist dabei nicht das Tippen, sondern das Erkennen: Wo fehlt eigentlich Information? Woran Sie den Erfolg messen, ist ebenso schlicht wie hart: Die zweite Antwort muss ohne Rückfragen und ohne erfundene Details verwendbar sein.
4:06 Der häufigste Irrtum ist, Kontext mit Textmenge zu verwechseln. Wer alles hineinschreibt, verwässert das Wichtige — das Modell gewichtet dann falsch. Der zweite Punkt ist heikler: Guter Kontext heißt oft, konkrete Daten zu nennen, und genau da beginnt die Datenschutzfrage, über die wir in Modul drei ausführlich sprechen.
4:25 Drittens der Klassiker: Ohne Adressat landen Sie fast zwangsläufig bei der Standardvorlage. Und viertens ein Effizienzpunkt — wenn Sie denselben Kontext täglich neu tippen, machen Sie etwas falsch. Dafür gibt es Custom Instructions, und die kommen später in diesem Modul.
Konkret werden
4:42 Kontext beantwortet die Frage, worüber gesprochen wird. Jetzt geht es um die zweite Hälfte: wie das Ergebnis aussehen soll. Beides zusammen ist der eigentliche Kern guten Promptings — und beides kostet Sie nur ein paar Sekunden mehr beim Formulieren. Denken Sie an einen Auftrag an eine Grafikerin. Sie sagen nicht nur, was aufs Plakat soll, sondern auch, in welchem Format, in welchem Ton und für welches Publikum — und meistens legen Sie ein Beispiel dazu.
5:10 Genau das ist gemeint. Neben dem Inhalt legen Sie die Form fest: Sprachstil, Ausgabeformat und, wo es hilft, ein Muster. Wichtig ist dabei die saubere Trennung. Ein Beispiel, das mitten im Auftrag steht, wird als Anweisung gelesen. Deshalb setzt man es ab — mit drei Anführungszeichen oder, bei Code, mit drei Backticks. Der Nutzen ist unspektakulär und genau deshalb überzeugend. Ein festgelegter Stil trifft Ihre Zielgruppe, statt einen Durchschnitt zu bedienen, der niemandem gehört.
5:40 Ein festgelegtes Format spart die Aufbereitung — Markdown lässt sich direkt weiterverwenden, CSV landet in der Tabelle, und Sie sortieren nicht mehr von Hand um. Beispiele wiederum zeigen dem Modell den Zielzustand, statt ihn zu umschreiben; das ist fast immer präziser als jede Adjektivkette. Und die Trennzeichen sind die Versicherung dagegen, dass Auftrag und Muster ineinanderlaufen.
6:03 Diese Tabelle ist als Checkliste gedacht, nicht als Lehrstoff. Wenn eine Antwort nicht passt, gehen Sie die vier Zeilen durch und fragen sich, welche Stellschraube Sie offengelassen haben. Meistens ist es die zweite: Wir sagen, was drinstehen soll, aber nicht, in welcher Form wir es weiterverarbeiten wollen. Der Hinweis unten hat übrigens einen sehr praktischen Hintergrund — Markdown lässt sich verlustfrei kopieren, und wenn Sie das Ergebnis später erneut einfügen, sind Überschriften und Aufzählungen noch da.
6:32 Kleine Sache, große Wirkung im Alltag. Worauf es hier ankommt, sind nicht die Anführungszeichen, sondern die Grenze, die sie ziehen. Oben steht, was zu tun ist. Unten steht das Material, an dem es zu tun ist. Das Modell muss diese beiden Ebenen unterscheiden können — sonst hält es Ihr Beispiel für eine zusätzliche Anweisung.
6:52 Dasselbe Muster trägt eine Technik, die uns später noch begegnet: Sie nehmen ein Ergebnis, öffnen einen frischen Chat und fügen es dort wieder abgesetzt ein. Man nennt das Meta-Prompting, und es ist im Grunde nur konsequente Trennung von Material und Auftrag. Diese Übung ist kurz und ziemlich aufschlussreich. Fordern Sie dieselbe Antwort zweimal an: einmal ohne Formatwunsch, einmal als Markdown-Tabelle mit klar benanntem Stil.
7:17 Die geübte Fähigkeit ist, ein Ergebnis so anzufordern, dass Sie es nicht mehr anfassen müssen. Der Erfolgsmaßstab ist entsprechend praktisch: Die Ausgabe muss sich ohne Nachformatieren in das Werkzeug übernehmen lassen, in dem Sie ohnehin arbeiten. Achten Sie darauf, wie viel Zeit im zweiten Fall wegfällt — das ist genau die Zeit, die Sie sonst jedes Mal verlieren.
7:39 Der erste Punkt wird gern unterschätzt. Wenn Sie eine Zusammenfassung zusammenfassen und daraus wieder etwas erzeugen, sind Sie in der dritten Iteration — und jede Stufe entfernt sich weiter vom Original. Prüfen Sie dann besonders genau. Der zweite Punkt ist der schon erwähnte Klassiker mit den Trennzeichen. Der dritte betrifft ein Wort, das wir alle zu oft benutzen: „kurz" ist keine Vorgabe. Nennen Sie Zeilen, Zeichen oder Absätze.
8:05 Und viertens: Ein perfekt formatiertes Ergebnis kann inhaltlich belanglos sein — Form ohne Stil und Zielgruppe reicht nicht.
Personas und Rollen
8:13 Bis hierhin ging es um Inhalt und Form. Jetzt kommt die Stimme dazu. Eine Persona ist der schnellste Weg, Ton und Fachtiefe zu steuern — und zugleich eine Technik, die häufig missverstanden wird. Sehen wir uns an, was sie leistet und was nicht. Sie kennen den Effekt aus dem Berufsleben. Dieselbe Frage, einmal dem Vertrieb gestellt und einmal der Technik, bringt zwei sehr unterschiedliche Antworten — beide richtig, aber unterschiedlich gewichtet.
8:42 Genau das machen Sie hier: Bevor die Aufgabe kommt, weisen Sie eine Rolle zu. „Du bist Marketing-Experte für B2B-Observability" ist so eine Rolle. Das Modell wechselt daraufhin Wortwahl, Beispiele und Schwerpunkt. Wichtig ist die Reihenfolge: erst die Rolle, dann die Aufgabe. Wer die Rolle hinten anhängt, bekommt oft nur eine oberflächliche Anpassung im letzten Absatz.
9:05 Diese Tabelle wird oft als Rangliste gelesen, und das ist sie ausdrücklich nicht. Der Standard-Assistent ist knapper, direkter und leichter zu lesen — wenn Sie sich in ein Thema erst einarbeiten, ist das genau richtig. Die Persona bringt Fachsprache, mehr Kontext und ein feiner abgestuftes Risikobewusstsein. Das hilft vor Fachpublikum und schadet, wenn Sie selbst noch Orientierung suchen.
9:28 Die eigentliche Kompetenz besteht also nicht darin, immer eine Rolle zu setzen, sondern zu wissen, wann Sie eine brauchen. Fragen Sie sich: Wer liest das nachher? Achten Sie hier auf das Experiment, nicht auf den Wortlaut. Der Aufgabenteil ist in beiden Fällen wortgleich — geändert wurde ausschließlich die Rolle. Und trotzdem erzählt die erste Fassung eine Geschichte und wirbt, während die zweite erklärt und einordnet.
9:52 Das ist der ganze Trick, und es ist zugleich ein sauberes Testverfahren: Wenn Sie wissen wollen, was eine Persona wirklich bewirkt, halten Sie alles andere konstant. Genau so gehen Sie am besten vor, wenn Sie für ein wiederkehrendes Format die passende Rolle suchen. Bauen Sie dieses Experiment mit einem eigenen Thema nach.
10:11 Halten Sie den Aufgabenteil wirklich wortgleich — das ist die halbe Übung, denn wir neigen dazu, unbewusst mehr zu ändern als nur die Rolle. Geübt wird hier das bewusste Steuern von Ton und Fachtiefe. Und der Erfolgsmaßstab ist eine Entscheidung, keine Datei: Sie sollen begründen können, welche der beiden Ausgaben zu welcher Zielgruppe passt.
10:31 Wenn Ihnen beide gleich gut gefallen, war die Rollenwahl vermutlich zu ähnlich — nehmen Sie zwei deutlich verschiedene Perspektiven. Der wichtigste Punkt steht ganz oben: Eine Persona ersetzt keinen Kontext. Sie bestimmt, wie gesprochen wird, nicht worüber. Beides gehört zusammen. Zweitens kann Fachjargon Ihnen im Weg stehen, wenn Sie sich in ein unvertrautes Thema einarbeiten — dann ist der Standard-Assistent oft der bessere Lehrer.
10:57 Drittens, und das ist der gefährlichste Irrtum: Eine Rolle macht Aussagen nicht belastbarer. Ein Modell, das sich Experte nennt, halluziniert genauso. Und viertens die Effizienzfrage — wer dieselbe Rolle täglich neu tippt, sollte sie dauerhaft hinterlegen.
Komplexe Aufgaben aufteilen
11:13 Bisher haben wir an einzelnen Prompts gearbeitet. Jetzt wird die Aufgabe größer als eine Antwort — und damit ändert sich die Arbeitsweise. Es geht um eine Haltung, die im weiteren Verlauf des Seminars immer wieder auftaucht: in der Schleife bleiben. Kein erfahrener Projektleiter vergibt einen Auftrag mit den Worten „macht mal, wir sehen uns in drei Monaten". Es gibt Zwischenstände, und die werden abgenommen.
11:38 Genau dieses Prinzip übertragen wir hier. Statt eine große Aufgabe in einem Zug zu vergeben, zerlegen Sie sie: recherchieren, gliedern, ausarbeiten. Nach jedem Schritt schauen Sie hin und geben bewusst frei. Das klingt nach mehr Aufwand, ist aber unterm Strich schneller — weil ein Fehler in der Gliederung sonst die komplette Ausarbeitung vergiftet und Sie am Ende alles neu machen.
12:00 Der eigentliche Gewinn ist Prüfbarkeit. Eine Gliederung können Sie in einer Minute überfliegen, einen fertigen zehnseitigen Text nicht mehr ernsthaft gegenlesen. Deshalb fallen Fehler früh auf, statt sich durch die ganze Kette zu ziehen. Dazu kommt ein technischer Nebeneffekt, der später bei den Halluzinationen noch wichtig wird: Jeder neue Schritt startet mit schlankem Kontext, und schlanker Kontext ist verlässlicher als ein überladener.
12:24 Und schließlich behalten Sie die inhaltliche Kontrolle über den Weg — nicht nur über das Ergebnis. Der rote Faden dieser fünf Schritte ist immer derselbe: erst Material sammeln, dann Struktur festlegen, dann ausarbeiten — und zwischen Struktur und Ausarbeitung bewusst einen Schnitt setzen. Die Recherche mit aktivierter Websuche liefert Ihnen die Substanz; wenn die Quellen nicht taugen, schärfen Sie sie nach, statt weiterzumachen.
12:49 Die Gliederung redigieren Sie selbst, denn hier ist Ihr Fachurteil am wertvollsten. Und dann öffnen Sie einen neuen Chat. Der Hinweis unten ist der Notausgang für lange Sitzungen: verdichten lassen und mit dem Kern neu beginnen. Nehmen Sie sich eine Aufgabe vor, die Sie sonst in einem Rutsch vergeben hätten, und zerlegen Sie sie bewusst in Recherche, Gliederung und Ausarbeitung — verteilt auf zwei Chats.
13:12 Geübt wird das Zerlegen selbst, also die Frage, wo die sinnvollen Schnitte liegen. Der Erfolgsmaßstab ist streng und leicht zu prüfen: Jeder Zwischenstand wurde bewusst freigegeben oder korrigiert, bevor der nächste Schritt lief. Wer durchklickt, hat die Übung nicht gemacht — auch wenn am Ende etwas Brauchbares herauskommt.
13:31 Der erste Punkt ist die häufigste Selbsttäuschung: Wer Zwischenstände ungeprüft durchreicht, hat sich die Arbeit nur anders sortiert. Der zweite Punkt ist technischer Natur — sehr lange Chats blähen den Kontext auf und machen Halluzinationen wahrscheinlicher; dazu später mehr. Drittens die Kehrseite des Chatwechsels: Was Sie nicht bewusst mitnehmen, ist weg. Nehmen Sie die Gliederung mit, nicht die halbe Unterhaltung.
13:55 Und viertens eine Erwartungsfrage: Aufwendige Schritte wie der Agent Mode brauchen deutlich länger als ein normaler Prompt. Das ist kein Fehler, das will eingeplant sein.
Custom Instructions
14:06 Bis hierhin haben wir alles in den einzelnen Prompt geschrieben. Jetzt drehen wir die Frage um: Was davon gilt eigentlich immer? Denn alles, was immer gilt, muss man nicht jedes Mal wiederholen — und genau dafür gibt es einen eigenen Ort. Denken Sie an die Signatur in Ihrem Mailprogramm. Die tippen Sie nicht bei jeder Mail neu, sondern hinterlegen sie einmal.
14:27 Custom Instructions sind die Signatur für Ihren Arbeitskontext: Angaben, die ChatGPT in allen Unterhaltungen berücksichtigt. Gedacht sind sie für das dauerhaft Gültige — Unternehmen, Rolle, Sprachstil, Grundhaltung. Der Unterschied zum Speicher ist wichtig und wird oft verwechselt: Custom Instructions schreiben Sie bewusst selbst.
14:47 Der Speicher dagegen sammelt eigenständig Kleinigkeiten aus Ihren Chats ein. Das eine ist eine Entscheidung, das andere ein Nebeneffekt. Der Ablauf ist schnell erzählt, aber der letzte Schritt ist der eigentlich wichtige. Sie öffnen die Personalisierung, aktivieren die Anpassung und beschreiben Ihr Unternehmen in einem Satz.
15:07 Dann kommen die verbindlichen Stilregeln — verbindlich heißt: Dinge, die wirklich immer gelten, nicht Vorlieben des Tages. Optional hinterlegen Sie Name und Rolle für die Ansprache. Und dann prüfen Sie das Ergebnis in einem frischen Chat gegen. Denn laufende Unterhaltungen ziehen die Änderung nicht nach — wer das nicht weiß, wundert sich über ausbleibende Wirkung.
15:28 Sehen Sie sich an, wie wenig hier steht. Fünf Zeilen, und alle beschreiben Dauerzustände: was die Firma macht, wofür die Produkte eingesetzt werden, wie wir sprechen, wie wir mit Fehlern umgehen. Kein einziges Wort über eine konkrete Aufgabe. Genau das ist die Trennlinie. Der Effekt zeigt sich beim nächsten Prompt: Aus dem langen Kontextabsatz von vorhin wird ein Halbsatz — „Schreibe die Entschuldigungs-E-Mail". Der Rest steht bereits.
15:54 Wenn Sie prüfen wollen, ob eine Zeile hierhergehört, fragen Sie sich: Gilt sie auch nächsten Monat noch? Hier geht es um eine Unterscheidung, nicht um Tipparbeit: Welcher Kontext gilt dauerhaft, und welcher gehört in den einzelnen Prompt? Nehmen Sie einen Ihrer langen Prompts und zerlegen Sie ihn in diese beiden Töpfe. Der Erfolgsmaßstab ist messbar: Der Prompt wird deutlich kürzer, und die Ergebnisqualität bleibt gleich. Halten Sie sich an höchstens fünf Zeilen.
16:22 Alles, was darüber hinausgeht, ist meist projektbezogen — und projektbezogenes Wissen gehört in Projekte oder Skills, die wir uns im nächsten Modul ansehen. Der erste Stolperstein ist die Kehrseite der Bequemlichkeit: Zu viele Instructions blähen jede einzelne Sitzung auf, auch die, in denen sie nichts zu suchen haben. Zweitens die Abgrenzung — Projektspezifisches gehört nicht in global gültige Anweisungen.
16:46 Drittens der Speicher: Wenn er aktiv ist, können Inhalte unbemerkt in spätere Antworten sickern; das ist mal praktisch und mal ein Datenschutzthema, über das wir in Modul drei sprechen. Und viertens die schon erwähnte Falle: Nach Änderungen im neuen Chat prüfen, denn laufende Chats ziehen nicht nach.
Multimodalität
17:03 Wir haben bisher ausschließlich über Text gesprochen. Dabei ist die Tastatur oft der umständlichste Weg, etwas zu beschreiben — ein Bild wäre schneller. Sehen wir uns an, was sich ändert, wenn Sie dem Modell nicht nur Text geben. Multimodal heißt schlicht: Das Modell versteht mehr als eine Sorte Eingabe. Text, Bild, Audio, Video.
17:24 Der Fachbegriff dahinter, Visual Question Answering, klingt sperriger als die Sache ist — Sie geben ein Bild und stellen eine Frage dazu. Denken Sie an den Kollegen, dem Sie am Bildschirm etwas zeigen, statt es zu beschreiben. Ein Screenshot ersetzt in der Praxis oft eine halbe Seite Text, und was Sie fotografieren, müssen Sie nicht abtippen. Verfügbar ist das in den kostenpflichtigen Versionen.
17:49 Der Nutzen ist am Anfang leicht zu unterschätzen, weil man Multimodalität für eine Spielerei hält. Tatsächlich verschiebt sie die Grenze dessen, was sich überhaupt ökonomisch beschreiben lässt. Ein Screenshot einer Oberfläche, ein Foto eines Whiteboards nach dem Workshop, ein Diagramm aus einer alten Präsentation — all das wäre in Worten mühsam und unvollständig.
18:10 Dazu kommen Referenzen: Wenn Sie eine Gestaltung fortführen wollen, zeigen Sie die Vorlage, statt sie zu umschreiben. Und mobil ist die Kamera ohnehin das schnellste Eingabegerät, das Sie haben. Suchen Sie sich bewusst eine Aufgabe, die ohne das Bild gar nicht lösbar wäre — das ist der Kern der Übung. Ein Screenshot einer Website, ein Foto eines Whiteboards, ein Diagramm.
18:32 Die Versuchung ist groß, ein Bild mitzugeben und trotzdem alles zu beschreiben; dann haben Sie nichts geprüft. Der Erfolgsmaßstab ist deshalb, dass die Antwort sich nachweislich auf Details des Bildes bezieht und nicht auf Allgemeinwissen. Stellen Sie eine Frage, die nur jemand beantworten kann, der wirklich hingesehen hat.
18:51 Der erste Punkt ist der wichtigste und wird fast immer übersehen: In Bildern stecken Daten, die im Text niemand preisgeben würde. Ein Screenshot zeigt eben auch die Tabs daneben, den Dateinamen, den Kundennamen in der Seitenleiste. Zweitens ganz praktisch: Kleine Schrift wird falsch gelesen — lieber den Ausschnitt vergrößern.
19:10 Drittens braucht ein Bild eine konkrete Frage, sonst bekommen Sie nur eine Beschreibung dessen, was zu sehen ist. Und viertens die Ernüchterung: Bildinhalte werden genauso halluziniert wie Textinhalte.
Sokratisches Prompting
19:23 Jetzt kommt die Technik, die im Seminar am häufigsten für Aha-Momente sorgt — weil sie die gewohnte Rollenverteilung umdreht. Bisher haben wir gefragt und das Modell geantwortet. Was passiert, wenn wir das tauschen? Sokrates hat bekanntlich nicht doziert, sondern gefragt — und seine Gesprächspartner kamen dabei selbst auf die Widersprüche in ihrem Denken. Übertragen heißt das zweierlei.
19:46 Erstens nähern Sie sich dem Ziel über Fragen an das Modell, statt sofort das Endergebnis zu verlangen. Zweitens, und das ist die eigentliche Wendung: Sie bitten den Assistenten, Ihnen Fragen zu stellen. Am besten eine nach der anderen. So entsteht der Kontext im Gespräch, statt dass Sie ihn vorab vollständig formulieren müssen — was ohnehin kaum jemand schafft.
20:07 Der Gewinn ist doppelt. Zum einen decken die Fragen blinde Flecken auf: Man merkt beim Antworten, was man selbst noch nicht entschieden hat. Zum anderen ist es schlicht bequemer. Kontext vorab zu formulieren ist anstrengend und lückenhaft; auf konkrete Fragen zu antworten fällt uns leicht. Jede Antwort schärft dabei die nächste Frage, das Gespräch verengt sich also zielgerichtet.
20:30 Und das Ergebnis merkt man dem Text an — es wird spezifisch, weil es Details enthält, die Ihnen von allein nicht eingefallen wären. Der Ablauf hat eine Logik, die über die Reihenfolge hinausgeht. Sie fragen zuerst nach Kriterien — was macht ein gutes Ergebnis aus? — und machen anschließend die Gegenprobe: Woran erkennt man ein schlechtes? Diese Gegenprobe ist erstaunlich wirksam, weil Negativkriterien oft klarer sind als Positivkriterien.
20:57 Erst dann benennen Sie Ihr Ziel und bitten um Rückfragen. Und der Hinweis unten nimmt den Druck raus: Sie müssen nicht alle Fragen beantworten. Oft reichen drei, und Sie merken selbst, wann das Bild vollständig genug ist. Der entscheidende Teil dieses Prompts sind die letzten fünf Wörter. „Bitte immer nur eine Frage auf einmal" — ohne diesen Zusatz bekommen Sie einen Fragenkatalog mit zwölf Punkten, den niemand beantwortet.
21:23 Mit ihm entsteht ein Gespräch, und jede Antwort formt die nächste Frage. Der Rest des Prompts ist bewusst schlicht: ein Ziel, eine Bitte. Sie müssen hier ausnahmsweise wenig Kontext liefern — das ist ja gerade der Punkt. Den Kontext holt sich das Modell im Verlauf bei Ihnen ab. Lassen Sie sich befragen, und brechen Sie bewusst nach drei Fragen ab. Dieser Abbruch gehört zur Übung: Sie sollen sehen, wie viel Spezifität schon drei Antworten bringen.
21:50 Geübt wird das Erarbeiten von Kontext im Dialog, statt ihn vorab zu formulieren. Der Erfolgsmaßstab ist konkret nachprüfbar — das Ergebnis muss mindestens zwei Details enthalten, die Sie im ersten Prompt nicht genannt hätten. Vergleichen Sie am Ende mit einem Entwurf ohne Interview. Der Unterschied ist meist deutlicher, als man erwartet.
22:11 Der erste Punkt ist der eben erwähnte: Ohne „eine Frage auf einmal" kommt ein Block, an dem das Gespräch stirbt. Der zweite ist das Gegenteil — wer nach der ersten Frage abbricht, landet wieder beim generischen Ergebnis. Drittens eine subtilere Falle: Die Fragen des Modells sind manchmal suggestiv gestellt. Wer sie reflexhaft bestätigt, übernimmt eine fremde Prämisse.
22:33 Widersprechen ist erlaubt und oft produktiv. Und viertens ein Praxishinweis für alles, was Sie veröffentlichen: Viele Emojis gelten inzwischen als Erkennungszeichen für KI-Texte.
Challenge — stärkere Marketingtexte
22:44 Jetzt kommt alles zusammen. In dieser Challenge gibt es keine neue Technik zu lernen — es geht darum, die vorhandenen zu kombinieren und zu merken, wie sie ineinandergreifen. Rechnen Sie mit etwa zehn Minuten. Die Aufgabe klingt harmlos: ein paar Slogans für einen fiktiven Shop. Anspruchsvoll ist sie, weil gute Slogans ohne Kriterien nicht bewertbar sind — und Bewerten ist hier die eigentliche Arbeit.
23:09 Geübt wird deshalb das Kombinieren mehrerer Techniken in einem realistischen Fall: Personas, sokratisches Prompting, ein Screenshot als zweite Modalität. Der Erfolgsmaßstab verlangt drei Vorschläge, deren Herleitung sich auf benannte Kriterien stützt. Nicht drei Vorschläge, die Ihnen gefallen — drei, bei denen Sie sagen können, warum.
23:30 Beachten Sie, dass die eigentliche Slogan-Erzeugung erst an vierter Stelle steht. Davor liegt die Arbeit, die den Unterschied macht: Kriterien erfragen, an starken Beispielen bestätigen lassen, den Shop visuell einbringen. Erst dann entstehen Vorschläge, die sich überhaupt bewerten lassen. Der letzte Schritt ist ein Hinweis, den Sie sich merken sollten: Derselbe Prompt mit höherem Reasoning-Aufwand liefert oft die brauchbareren Kandidaten.
23:55 Das Modell arbeitet dann sichtbar in Schritten — was das genau bedeutet, sehen wir im nächsten Modul. Der erste Punkt ist die Zusammenfassung der ganzen Challenge: Ohne vorab benannte Kriterien ist jede Bewertung Geschmackssache, und dann hätten Sie sich das Verfahren sparen können. Zweitens ersetzt der Screenshot nicht die Zielgruppe — das Modell sieht, wie der Shop aussieht, aber nicht, wer dort kaufen soll.
24:19 Drittens die Geduldsfrage: Erste Ideen sind selten die besten, planen Sie eine Iteration ein. Und viertens ein Punkt aus der Praxis, der über das Seminar hinausreicht: Slogans gehören auf Markenrechte geprüft, bevor sie verwendet werden. Halten wir fest, was dieses Modul im Kern sagt. Kontext und Spezifität wirken stärker als jede fortgeschrittene Funktion — das bleibt auch dann wahr, wenn wir gleich über Projekte, Skills und Agenten sprechen.
24:45 Personas steuern den Ton, ersetzen aber keinen Kontext. Große Aufgaben aufzuteilen hält Sie in der Schleife und macht Zwischenstände prüfbar. Und Custom Instructions wie auch das Fragenstellen sparen genau die Wiederholung, die den Alltag zäh macht. Im nächsten Modul geht es darum, aus diesen Einzeltechniken wiederholbare Abläufe zu machen.
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